Bengal Art Gallery

"Art for Artists"

St. Gallen

 

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Editorial

Die Herkunft prägt alle Menschen – und deren gegenseitige Wahrnehmung. Wer schon einmal eine Zeitlang in der Fremde verbracht hat, wird sich selber manchmal wundern, mit wie viel Vorurteilen und Klischees die Bilder überladen sind, die im Gastland herrschen über die Gegend und die Gesellschaft, aus der der Besucher kommt. Das mag im Nachbarland der Fall sein, oder weit, weit weg, wo die Menschen eine andere Hautfarbe haben, eine andere Religion, andere Bräuche und einen andern Umgang miteinander. Doch es gibt eine universale Sprache, die diese Grenzen sprengt, weil sie Fragen aufwirft, die uns alle gleichermassen betreffen: die Kunst. Sie hält uns den Spiegel vor Augen, zeigt uns die Brüchigkeit jeglicher Existenz, die Schönheit der Natur, die Würde des Menschen, unabhängig von seiner Herkunft.  

Die Künstlerinnen und Künstler, die an der Kulturwoche „Art for Artists“ ihre Exponate präsentieren, verbindet eines: ihre Herkunft. Sie stammen aus Bangladesh, einem Land, das, wenn überhaupt, in Europa weitgehend in von Armut und Not geprägten Zerrbildern wahrgenommen wird, ein fremdes, vom Islam geprägtes Land, das erst seit wenigen Jahrzehnten überhaupt als politisches und gesellschaftliches Gebilde existiert. Ihre Herkunft prägt auch ihre Kunst, sei es beim verwendeten Material, den gezeigten Objekten oder da und dort, wenn gesellschaftliche oder politische Aspekte aufgeworfen werden, auch im Inhalt. Doch auch die Frage um den Status einer gesellschaftlichen Minderheit hat letztlich universalen Charakter, denn Minderheiten gibt es im jeden Land – und deren Achtung und Respektierung ist ein universales Anliegen, ein Menschenrecht.  

In Europa sind sie weitgehend unbekannt, in Fernost hingegen gehören sie zum kulturellen Establishment – in Bangladesh sowieso. Dort geniesst etwa Mahmudul Haque als Direktor des Nationalmuseums auch gesellschaftlich ein sehr hohes Ansehen. Er und seine Kolleginnen und Kollegen haben mit ihrer Kunst ein internationales Publikum, etwa in Japan, mit dem viele einen regen Austausch pflegen, erreicht und den Rahmen ihrer Herkunft damit gesprengt. Und doch sind sie alle auch Kinder dieses Landes, mit dem sie sich künstlerisch auseinandersetzen. Wer sich beim Besuch der Kunstschau „Art for Artists“ mehr als nur ein paar Minuten Zeit nimmt für eines der über 300 gezeigten Kunstwerke, wird spannende Momente erleben – und vielleicht die Erkenntnis, dass über alle Grenzen hinweg es essentielle Themen gibt, die uns alle gleichermassen betreffen.

Die Exponate, die in der Online-Galerie von „Art for Artists“ gezeigt werden, stehen zum Verkauf. Davon profitieren zum einen die Künstlerinnen und Künstler, zum andern der künstlerische Nachwuchs in Bangladesh. Denn der Gewinn aus dem Verkauf fliesst vollumfänglich in den Aufbau eines Kulturhauses in Dhaka, das jungen Stipendiaten zur Verfügung stehen wird.

Till Grether, CEO, IBF Innovative Bio Fibre Corp. AG, St. Gallen


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