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Rickshaws sind in den Städten von Bangladesh das wichtigste
Transportmittel. Mit dem in den 1930er-Jahren noch zur britischen
Kolonialzeit eingeführten, in Japan entwickelten Gefährt werden bis heute die Hälfte aller
kommerziellen Transportaufgaben erfüllt. Rickshaws sind deshalb auch
für die Ökonomie des Landes von grosser Bedeutung. In der Hauptstadt
Dhaka verkehren rund 280'000 Rickshaws. In der Regel wechseln sich
zwei Fahrer in einer Morgen- und einer Nachmittagschicht ab. Ein
jeder ernährt mit dieser Arbeit im Durchschnitt fünf Personen. Damit
sind Rickshaws alleine in Dhaka die Einkommensquelle für rund 2,5
Millionen Menschen.
Die Dekoration der Rickshaws ist in Bangladesh
allgemein üblich. Bemalt und geschmückt werden neben den
Rückenplatten der Sitze heute praktisch alle Teile, die auch nur ein
wenig Platz bieten. Die Ursprünge dieser Volkskunst gehen in die
1950er-Jahre zurück. Die formale Darstellung erinnert oft an
Filmplakate, und tatsächlich waren viele der ersten Rickshaw-Maler
ursprünglich Plakatmaler gewesen. Die Maler geben dabei als Meister
ihr Wissen an einen Lehrling weiter. Die Motive wiederholen sich,
was zum einen an der Popularität liegt, zum andern an der
künstlerischen Handschrift des Malers. Die Bilder müssen sehr rasch
gemalt werden, denn die verwendeten Farben trocknen rasch und lassen
sich nicht mischen. So sind helle Primärfarben populär, und die
Darstellungen sind ohne Strukturierung oder Schatten und lassen auch
Perspektive und Tiefe vermissen.
Jede Stadt in Bangladesh hat eigene Schulen,
die stilbildend wirken. In Dhaka sind rund 80 Prozent der Rickshaws
bemalt. Bevorzug werden dort Motive, in denen die Natur, Tiere und
Filmszenen gezeigt werden. In Chittagon und Comilla, wo weniger
Rickshaws dekoriert sind, dominieren Blumen und Vögel.
Als Sujets besonders beliebt sind neben Taj
Mahal Porträts von Filmstars, idyllische Szenen aus dem ländlichen
Leben und religiöse Darstellungen mit Moscheen und Borak, dem
geflügelten Pferd. Weil die Bilder auf den Rückenplatten jährlich
erneuert werden müssen, passen sich die Maler den gängigen Trends
an. In den frühen 1970er-Jahren wurden viele Kämpfer des
Unabhängigkeitskrieges verewigt.
Die Maler signieren ihre Werke nur selten.
Manche unterzeichnen mit einem Pseudonym, das, um die Verwirrung
komplett zu machen, in der Regel auch noch von mehreren Malern
gleichzeitig verwendet wird.
Der technische Fortschritt macht auch vor
diesem Kunsthandwerk nicht Halt. Vor allem in Dhaka sind immer mehr
Rickshaws mit gedruckten Fotos dekoriert, die mit Digitalkameras
aufgenommen wurden. Die Maler suchen sich deshalb neue Nischen und
finden sie in der Bemalung von Lastwagen, Einrichtungsgegenständen
oder Haustüren.
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